Chemie rockt... - Tottenham Hotspur - Everton FC
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23.10.10   Tottenham Hotspur FC - Everton FC   1:1

5 Tage Urlaub auf der Insel, da stand für Jule und mich natürlich auch ein zünftiges Fußballprogramm auf dem Plan. Nachdem wir schon einige Wochen vorher die Spielpläne durchstöberten, blieb unser Interesse auf diesem Match hängen.
Karten für die White Hart Lane zu bekommen, erwies sich als gar nicht so leicht wie gedacht, da zusammenhängende und vor allem bezahlbare Plätze eher rar waren. Letztendlich begnügten wir uns mit 2 Tickets für eine der hintersten Ecken des Stadions, leider mit ein wenig Sichtbehinderung auf's Tor, dafür auch 6,00 Pfund billiger. Der Gesamtpreis lag dann bei 72,00 Pfund + einer Gebühr von 7,00 Pfund - ist also kein ganz so billiges Vergnügen...

Der Versuch, das Stadion schon am Vortag aufzusuchen, wurde nach etwa 3 gelaufenen Kilometern und schmerzenden Füßen aufgegeben. Irgendwie scheint die White Hart Lane der einzige Ort in London zu sein, der nicht innerhalb von 5 Minuten mit der Underground erreichbar ist Nach hilfreichen Infos aus der Heimat (danke an Marcell) wussten wir dann, dass wir noch etwa einen weiteren Kilometer vor uns hatten. Also hieß es für uns, am Spieltag schon zeitig zu starten, da 12:45 Uhr schon Anstoß war.

Nach einem "nahrhaften" Frühstück (wer ein Frühstück in London kennt, weiß was ich meine, obwohl unseres schon wesentlich kontinentaler war) ging es viertel Elf endlich los, das erste Spiel auf ausländischem Boden stand für uns an. Nach problemlosen Start mit der "Tube" gab es erste Probleme, als 2 Linien planmäßig nicht fuhren - auch hier wissen London-Kenner, was das für Auswirkungen hat ;) Aber da bekanntlich viele Wege nach Rom, in diesem Fall nach Tottenham führen, stiegen wir nach ein wenig Gehetze wieder in der selben Linie ein und kamen über Umwege an der Station "Seven Sisters" an. Von hier aus begann auch am Vortag unser Irrlauf durch eine Gegend, in die sich sonst sicherlich nicht viele Touristen verirren. Heute aber war schon gut was los, durch die Verzögerungen hatten wir schon ein wenig Zeitdruck, da die reservierten Tickets bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeholt werden mussten. Das Gute war, dass wir heute nicht lange suchen mussten, einfach der strömenden Masse hinterher.

Durchgeschwitzt, außer Atem und etwas ziellos kamen wir dann endlich am Ground an, es waren noch etwa 45 Minuten Zeit und ab da lief alles wie am Schnürchen. Engländer lieben ja das Anstehen, also stellten wir uns nach kurzem Durchfragen auch an der richtigen Schlange an und hatten einige Momente später endlich die begehrten Karten in der Hand. Jetzt begann der gemütliche Teil des Tages: Das Stadion konnte ein wenig von außen begutachtet werden, die Verkäufer des Stadionhefts (3,50 Pfund) und der Fanschals (8,00 Pfund) durften sich um einige Münzen reicher schätzen und das Flair wurde allgemein aufgenommen... Alles wirkt sehr familär und wird trotzdem von ständig patroullierender berittener Polizei beobachtet.

Ins Stadioninnere gelangt man durch sehr enge Zugänge, an denen sich Drehkreuze befinden und die Karten abgescannt werden - Menschen mit Platzangst bekommen hier Zustände. Drinnen durch die nach Bier anstehende Masse gekämpft (auf die Ränge darf kein Alkohol mitgenommen
werden) und endlich der erste Blick auf's Feld und die anliegenden Blöcke. Die Sitzplätze wurden unter freundlicher Hilfe sehr schnell eingenommen, was hier auch "Pflicht" ist ("Sit down or lose your seat") und einem groß auf der Anzeigetafel ans Herz gelegt wird.

Zu Beginn wurde den kürzlich verstorbenen Eddie Baily und Mel Hopkins gedacht, ehemalige Spieler des Vereins. Aber nicht wie bei uns üblich mit einer Schweigeminute, sondern mit einer Applausminute, für uns sehr ungewöhnlich. Aber schon einprägsam, wenn ein ganzes Stadion inkl. Gästefans ehrvoll klatscht.

Wenn man bedenkt, dass doch einige Stars auf dem Platz stehen (Rafael van der Vaart, Luka Modric, Gareth Bale oder Peter Crouch), wurde den 35.967 Zuschauern, darunter etwa 900 Mitgereisten aus Everton, ein eher langweiliges Spiel geboten. Zwar begann die Partie schwung- und verheißungsvoll, hatte seinen Höhepunkt aber schon nach 20 Minuten erreicht.
Ein Freistoß aus etwa 23 Metern brachte des Gästen die Führung ein, Leighton Baines setzte das Leder gekonnt ins Eck. In diesem Moment ergab der Torjubel an der anderen Ecke des Stadions eine geile Akustik...
Generell herrschte eine ungewöhnliche Geräuschkulisse. Beherrscht wurde die Stimmung durch ein seltsames Gemurmel im weiten "Rund", die sporadischen Gesänge des Gästeanhangs wirkten, als ob sie direkt von nebenan, aber doch weit weg kamen - sehr schwierig so rüberzubringen, dass man es sich vorstellen kann.
Nur 3 Minuten nach der Führung, konnten die Hausherren in Person von Rafael van der Vaart verdient ausgleichen. Der Gästehüter unterläuft eine Flanke, Peter Crouch köpft auf den langen Pfosten und der Holländer stiebitzt ihm noch das Tor, in dem er den Ball aus einem halben Meter ins Netz drischt...

Ab da war es dann aber auch vorbei mit der Herrlichkeit, das Spiel plätscherte fortan leider nur noch dahin. Torchancen wurden zur Mangelware, die Passquote ging ins unterirdische.
Auch stimmungstechnisch wurde die zweite Hälfte zu einem Langweiler, die Sangesfreude war bei den Engländern nicht sehr ausgeprägt vorhanden. Lediglich die Ungeduld der Fans spiegelte sich immer wieder in lauten Unmutsaüßerungen wieder ("Crouch is shit, he can't anything") und sorgte so für ein wenig Erheiterung. Etwa zehn Minuten vor dem Schlusspfiff ging das große "beat the traffic" los, also die große Abwanderungswelle der Fans, die das Spielende gar nicht so wirklich interessiert. Im Programmheft gibt es dazu eine lustige Statistik: wer in allen Stadien zehn Minuten eher gegangen wäre, hätte diese Saison schon 39 Tore verpasst  

Nach dem Spielende warteten wir noch einige Augenblicke, um das reine Sitzplatzstadion im leeren Zustand zu bestaunen. Hatte schon seinen Charme, die Plätze sind relativ neu, aber der "Unterbau" schon ein wenig angegammelt, also herrlicher Mix aus alt und neu.
Draußen sammelte sich die Masse noch an diversen Burgerständen, auch wir nutzten das Angebot bei einem Typen, der einen auf Marktschreier machte. Muss ein Unikum sein, denn die anderen Burgerläden ware weitaus schlechter besucht...

Und so ging es dann auf den langen Weg wieder "nach Hause", wo das Erlebte noch ein wenig ausgewertet wurde.
Fazit: Spielerisch habe ich persönlich wahrscheinlich zu viel erwartet, bin ein wenig enttäuscht, gerade wenn man die Euro betrachtet, die wir für den Nachmittag hingelegt haben... Ansonsten schon eine geile Erfahrung, auch mal "anderen" Fußball und eine andere Fußballkultur zu erleben.

Chris
























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