Chemie rockt... - AEK - Panathinaikos
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AEK Athen - Panathinaikos Athen
 
In meiner Zeit von kanpp zwei Jahren als Gast in Griechenland entschloß ich mich mal wieder ein Spiel zu besuchen. Am Sonntag, den 24.10. stand das Athener Derby zwischen AEK und Panathinaikos an. Es lohnt sich, einen Blick in die Geschichte des gastgebenden Vereins zu werfen. AEK ist die Abkürzung für „Athlitiki Enosi Konstantinoupoleos“, das „K“ steht für Konstantinopel, was noch heute der griechische Name Istanbuls ist. Nachdem zu Beginn der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts die Grenzen zwischen Griechenland und der Türkei festgelegt worden, kam es zu einem „Bevölkerungsaustausch“ zwischen beiden Ländern. So mußten viele Griechen aus dem Gebiet der heutigen Türkei fliehen, und andersherum auch. Einer der erfolgreichsten Vereine im damaligen Istanbul/Konstantinopel hieß, benannt nach einem Stadtteil, „AS Pera“ und bestand zum überwiegenden Teil aus griechischen Spielern. Ein Großteil dieser Spieler gründete nach der Flucht 1924 in Athen den Verein AEK. Zur Erinnerung an die Herkunft wurde „Konstantinopoli“ im Namen behalten. Das Vereinswappen zeigt einen Doppelkopfadler, welcher im Wappen des 1453 untergegangenen byzantinischen Reiches zu finden ist und noch heute von der orthodoxen Kirche Griechenlands verwendet wird. Vergleicht man die Fans der beiden großen Athener Vereine, so gewinnt man auch oft den Eindruck, daß AEK vor allem bei besonders frommen, konservativen und ärmeren Leuten beliebt ist, während Panathinaikos eher der Verein für den, nennen wir es mal „modernen Athener“ von heute ist. Insgesamt stellt Panathinaikos aber in der Stadt die deutliche Mehrzahl an Fans. Daß beide Fanlager sich nicht besonders mögen, muß nicht extra erwähnt werden, auch wenn der Dritte im Bunde, Olympiakos Piräus, für beide der Hauptrivale ist. Sportlich gesehen ist Panathinaikos etwas erfolgreicher, im Moment auch Meister und Pokalsieger, AEK meist auf den Plätzen drei bis fünf zu finden, hier stehen beide aber im Schatten von Olympiakos, das in den letzten Jahren die große Mehrzahl an Titeln errang.
 
Nun stand also das Derby zwischen beiden an, und ich entschloß mich, hinzugehen. Leider ist es in Griechenland aufgrund diverser Vorfälle üblich, die Spiele von großen Vereinen unter einander unter Ausschluß von Gästefans durchzuziehen. Dadurch waren an diesem Sonntagabend nur offiziell 28000 im Athener Olympiastadion, obwohl ich meine, daß es mehr waren. Das Heimstadion von AEK wurde bei einem Erdbeben 1999 so schwer beschädigt, daß es abgerissen werden mußte, es ist noch offen, wo der Verein demnächst spielt. Ich kam schnell ins Stadion, Einlaßkontrollen werden hier im Land so konsequent durchgeführt wie Steuerprüfungen, und durfte mich freuen, wie klein die Welt doch ist, nahm direkt vor mir doch unerwartet ein italienischer Arbeitskollege mit Freunden Platz. Leider ist das Olympiastadion ein reines Sitzplatzstadion. Es hat Ober- und Unterränge, der „Stimmungsblock“ von AEK befindet sich im Oberrang in der Kurve. Der Unterrang davor blieb klugerweise fast leer, wurden doch später häufiger mal Bengalos dorthin „entsorgt.“ Zum Einlaufen gab es eine kleine Choreo, ein AEK-Trikot als Blockfahne umrahmt von gelben Fahnen, nicht sonderlich kreativ, sah aber hübsch aus. Dazwischen leuchteten häufiger rote Bengalen auf, man ist damit bekanntlich hier etwas lockerer.
 
Das Spiel begann gleich mit einem Paukenschlag, denn in der vierten Minute ging AEK in Führung. Der Franzose Djebbour ging über links durch und schoß zwar nicht allzu scharf, allerdings erwischte er PAO-Keeper Tzorvas auf dem falschen Fuß, so daß das Ding rein ging. Natürlich hatte auch dieses Tor eine Bengalo-Show zur Folge und im folgenden war die Stimmung gut. Durchgängige Gesänge, die ich allerdings aufgrund meines mangelhaften Griechisch nicht verstand, aber es machte das ganze Stadion mit. Im Anschluß gab es natürlich das normale Spiel, wenn das etwas schwächer einzuschätzende Team gegen den Favoriten führt. AEK spielte diszipliniert und riskierte nichts, Panathinaikos war durchweg optisch überlegen, kam aber nicht wirklich zu irgendwelchen Chancen. Die Konter von AEK waren eher gefährlich, wurden aber auch oft zu langsam ausgespielt. Allzu große Chancen gab es auf beiden Seiten für den Rest des ganzen Spiels nicht mehr. Der Support war auf AEK-Seite durchaus abwechslungsreich, Pyrotechnik gab es das ganze Spiel über in regelmäßigen Abständen zu bewundern. Allerdings muß ich auch feststellen, daß dieses Olympiastadion nicht das Wahre für ein Fußballherz ist, es kam nicht allzuviel Lautstärke auf dem Platz an.
 
In der zweiten Halbzeit gab es dann das berühmte Spiel in einer Hälfte mit dem berühmten Handball-Vergleich, wo eine Mannschaft, AEK, in der Abwehr sicher steht und die andere, Panathinaikos, zwar mühelos vor dem Strafraum quer passen kann, aber keine Idee hat, wie man Torgefahr entwickeln könnte. So hatte man auch nicht wirklich das Gefühl, daß sich am Ergebniss was ändern könnte. Insgesamt würde ich auch nicht sagen, daß es ein besonders schönes oder gutes Spiel war. So blieb es dann beim 1:0. Ich erwartete nun ausgelassene Jubelszenen, wie man sie nach Derbysiegen halt so kennt, aber dem ist hier offensichtlich nicht so. Ein kurzer Jubelschrei, ein kurzes Abklatschen im Mittelkreis und schnell waren die Spieler im Tunnel verschwunden und das Stadion begann sich zu leeren.
 
Insgesamt war es ein schöner Fußballabend, obwohl mir persönlich irgendwie die ganz großen Emotionen gefehlt haben. Ein ansprechenderes Stadion und ein Derby mit Fans beider Vereine hätten dem ganzen sicherlich noch etwas mehr Reiz gegeben. Dennoch trat ich zufrieden die Heimreise an und freute mich, AEK einmal gesehen zu haben.









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